NACHT UND HELD BEI AUGUST KLINGEMANN. - ZUM PSEUDONYM »BONAVENTURA«
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ser der
Maske«, das erst zur Ostermesse 1805 im Buchhandel zu
erhalten war,31
erschien noch einmal 1814 unter Klingemanns Namen.) Nicht nur
spielen weite Teile des »Lazaroni«-Romans
im Dunkel und Dämmer, sondern die Nacht ist geradezu Lebenszeichen
des Helden Giannino, der ein Doppelleben
als Lazzarone und Nobile versucht (»Und dunkel steigt die Nacht
herauf./ In ihren Mantel hüll' ich mich«)32.
Von diesem letzten Trivialroman Klingemanns ist nur noch zu
bemerken, daß mit dem Einsetzen der Handlung
kurz vor Morgengrauen die Memnon-Situation
abgewandelt wird, diesmal nämlich im Verhältnis
von Vater und Sohn: »›Hier bin ich Vater!‹ sagte er;
und als er die Augen aufschlug, glühete schon
der Himmel in Osten, und die ersten Sonnenflammen
loderten über den dunkeln Lorbeerwald
empor.33
Somit
läßt sich für das Jahr 1803 grob folgende Konstellation literarischer Motive
und Entwicklungen zugunsten des »Nachtwachen«-Projekts bei Klingemann
ausmachen:
1. Ein
Expandieren der Nacht von den Anfangsszenen hin zu einem Grundmedium für den »Laza-
roni«-Roman
(das Nächtliche dominiert ebenso die Atmosphäre des gleichnamigen Schau-
spiels).
2. Das nach
den »Lazaroni« fertiggestellte Pamphlet »Freimüthigkeiten« nimmt
sich vom Stoff her
zum erstenmal der Zeitgenossen an und erprobt in Gestalt des
Hanswursts schon die einzel-
gängerische Polemik des Nachtwächters.
3.
Den letzten Anstoß zum Erzähltitel hat dann offenbar der anonyme Beitrag v.
Arnims in »Euro-
pa« gegeben, wobei
insbesondere der Serientitel »Erste Nachtwache« zum exkursionsartig sich
begrenzenden Erzählen verlockt haben dürfte. Auch dies
Erzählprinzip freilich hatte Klingemann
selber schon für seinen Messebericht 1802 praktiziert und es auch dort
schon gegen das »pro-
saische Tagesleben« ins Treffen geführt.
Wie aber steht es um das
Pseudonym »Bonaventura« und den dadurch naheliegenden Bezug auf »Die letzten
Worte des Pfarrers zu Drottning auf Seeland«, jenes »schauderhafte,
mitternächtliche
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31 Allgemeines Verzeichniß der Bücher
(der beiden Messen 1805 in Frankfurt/Main und Leipzig); Rubrik zur Ostermesse
"fertig gewodene Schausp.", S. 269). Vgl. auch Karl Goedeke, Grundriß
zur Geschichte der deutschen Dichtung (1884ff.), Bd. VI, S. 441, Nr. 13. -
Die Maske hieß eine anonym erschienene
satirische Stückesammlung von August Mahlmann (Leipzig 1803).
32 Die Lazaroni. Vom Verfasser
des Romans: Albano, der Lautenspieler (2 Bde., Leipzig 1803), Teil 1, S.
96. - Vgl. die stark lobende Rezension in Neue Leipziger Literaturzeitung
1803 (21. Stück vom 17.8.).
33 Die Lazaroni, a.a.O.,
Teil 1, S. 5f.