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BILDER FONTANES GEGEN DEN TOD. GRETE  MINDE

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Fon­tane nach­ge­hen, bis da­hin, wo er erstmals sich selber als den sich ver­ste­cken­den Erzähler ins Spiel bringt (in der 1882 er­schie­ne­nen Erzählung Schach von Wu­thenow).


"Ich ... mußt an alte Zeiten denken, und an den Sommer, wo ich auch dreizehn war und mit Hans Hen­sen Versteckens spielte und eine geschlagene Glockenstunde hinter dem Rauchfang saß, Hand in Hand, und im­mer nur in Sorge, daß wir zu früh gefunden, zu früh in unserem Glücke ge­stört werden könn­ten."3


Mit diesen Worten kommentiert in Grete Minde (1880) Valtins Stiefmutter Em­rentz die Sze­ne zwi­schen den Kindern, die sie soeben – wie auch nebenan Gretes mißgünstige Schwägerin Trud – be­lauscht hat. An­gesprochen wurde das Motiv des Verstecks schon in dem Eröffnungsdialog der No­vel­le, als Val­tin gegen Truds Verbot seine Freundin zu dem verborgenen Hänflingsnest in sei­nen Gar­ten her­über­zu­lo­cken sucht. Wie die beiden dabei vom Erzähler zum erstenmal vor Augen ge­führt wer­den, bis über die Brust von Him­beerbüschen umwachsen, korrespon­diert mit dem Nest­ver­steck und ist ein Sehn­suchts­bild kind­licher Ge­borgenheit. Diese wird zwar gleich darauf von Valtin in Frage gestellt, aber so, daß der Sehn­suchts­charakter nur um so maliziöser gesteigert wird: "Un­se­re Müt­ter sind nicht so bang um uns", fin­det Val­tin, als der Vo­gel sei­ne beiden Jungen um­kreist, be­merkt dies al­so in Ge­gen­wart je­ner versteckten und jeweils höher postier­ten Au­gen­zeu­gen.

    Fontane pflegt für Szenen wie diese zwar in die eigene Lebensgeschichte ein­zutauchen, sie aber im Er­zähl­vorgang immer schon dem Verständnis und Le­bensgefühl seiner Figuren anzuverwan­deln. Hier er­wei­tert er das Versteckmotiv, das ihn in seinen Kinderjahren als Einzelgänger im Versteck zeigt, ganz im Sin­ne der bei­den Stiefkinder, ihrem noch kindlichen Verlangen nach Nestwärme und ih­rer neu und im­mer stärker aufkommenden erotischen Zuneigung. Grete selber hat ihren Le­bens­kampf im Zeichen des Engels zu bestehen. In jener Vo­gelszene am Hänflingsnest kündigte sich dies zart an und soll sich dra­stisch er­füllen, wenn sie am Ende wie ein biblischer Racheengel über ih­rer Hei­mat­stadt ste­hen wird. Denn wie ihre fremde katholische Herkunft in einem fort re­li­gi­ö­se Be­spit­ze­lun­gen und Indoktrinationen provoziert, so sucht Grete ihrerseits Zu­flucht zu einer re­li­gi­ö­sen Bil­der­welt, die zwi­schen katholischer und altheidnisch-märkischer Tradition schwankt. Das er­ste stärk­ste Ge­gen­bild zu dem Feuer und Flammen speienden lutherischen Pfarrer Gigas findet Gre­te in dem "Jüng­sten Ge­richt", das die fahrenden Puppenspieler im Tangermünder Rathaus auf­füh­ren. Die drei­ge­teil­te Bühne mit einem "treppenförmigen Mittelraum" ist nach dem Vorbild ei­nes Flü­gel-Al­tars 

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3 Theodor Fontane, Sämtliche Werke. Hrsg. E. Groß, K. Schreinert u.a. ("Nymphenburger Ausga­be"), München 1959ff. (Ich zi­tiere als: N; dann Bandzahl, Seitenzahl); N III, S. 13


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