MEMNONS NACHT UND ERKLINGEN __________________________________________________________
»Es sitzet starr in traurig-düsterm HarrenDas dunkle Bild, und alles Leben schweigt;Rauh steigt es aus der stillen Nacht hervor,Und blickt, wie die Bedeutung, ernst und schweigend,In's tiefe Dunkel und zum fernen Morgen ...«»Welch leises Wehen durch den dunklen Himmel!Und tiefer regt sich's unten in der NachtUnd streitet ringend mit dem neuen Leben.Der kalte Sohn stützt seine starren HändeGewaltig auf den rauhen Stein, und strebtSich aus der dunkeln Nacht hervorzuheben.Da rührt sein stummes Flehn die holde Mutter,Sie blickt ihn an ...Der träge Schlummer flieht von seinen Augen, Und an dem goldnen Licht entzündet sich Der erste Ton und hallt harmonisch wieder.«
Das
überschriebene Gedicht ist nicht signiert. ›Memnon‹
= nomen. Eine irrwitzige selbsterlösende Gleichsetzung mit dem
Stummen ((wird vernehmlich)) bei der Lektüre. Das
einleitende monologische Kunstgespräch setzt damit
ein, Scheu vor der Mitteilung zu behaupten; es gebe
»nur Wenige, die das innere Wort verstehen, und die Augen
der Liebenden fehlen Überall. - Das Zeitalter steht
auf einer Höhe und Tiefe zugleich, daß es mir oft
schwindelt, wenn ich die Entfernung
dazwischen betrachte«(!):
»Die Philosophie ist nur für Wenige ein Licht
geworden; die anderen aber hat sie dagegen in eine noch
tiefere Nacht geführt.«
Dem
Künstler aber wird schließlich ein göttlicher Erlösungstrieb
zugeschrieben. »Durch die ganze Natur, die ihn
umgiebt, sieht er das höhere Leben, und es ruft ihm
überall zu, und will durch ihn befreit sein; die Töne
fliehen trauernd umher, und suchen sich, und bitten ihn, daß er
sie harmonisch zusammenfüge, und zum Gesang vereine; in dem
rohen Marmorfelsen, der sie umschließt, erblickt er trauernd die
schlanke Gestalt, und sie winkt ihm zu, daß er ihren Kerker
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Titelblatt von Klingemanns Zeitschrift ›MEMNON‹ (1800) Bildquelle: Kraus-Reprint der Zeitschrift (Nendeln 1971)
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