Home
Impressum
Ruth Fleigs Galerie
Schulkinder malen
Kritzel-Kratzel
Horst Fleigs Texte
I  Philosophica
A ZUR ANTHROPOLOGIE
Sloterdijk-Habermas
Pico della Mirandola
Michel de Montaigne
J. G. Herder
Max Scheler
Helmuth Plessner
Rück- und Ausblick
B ERINNERUNGSBILDUNG
Schock der Rückkehr
Erinnerungsautomatik
Wuchernde Phantasie
Seel. Raumpositionen
Sprache und Erinnern
Besuch als Korrektiv
Identitätsfragen
Steuernde Phantasie
Über das Vergessen
Biogr. Stimmigkeit
Proust. Doppelgänger
Psychobiologisches
II  Reiseberichte
III Zu Wim Wenders
IV Film und Kindheit
V Mitschüler/Schulen
VI Germanistisches

Michel Eyquem de Montaigne (1533-1592)

Quelle: www.nwscc.edu/english/101/Process%20Instructions.htm


Als „den Schöpfer der modernen phi­losophischen Anthro­po­lo­gie” hat Ernst Cas­sirer Michel de Mon­taigne be­zeich­net, des­sen Es­sais wir immer noch, „über allen Ab­stand der Zeiten hin­weg, un­­mit­­tel­­bar ver­ste­hen” könn­ten.7 Ein halbes Jahrhun­dert später als Pico del­la Mirandola gebo­ren, setzte Montaig­ne als er­ster auf eine cou­ra­gier­te Selbsterforschung, die er in parado­xer Wei­se als reprä­­sen­ta­tiv für den Men­schen über­haupt an­sah; pa­ra­dox inso­fern, als es kei­ne verallgemeinernden Aus­sagen über den Men­schen ge­ben kön­ne, nur die jewei­lige individuelle Selbst­er­kenntnis. Die derart ri­go­ros auf die per­sön­li­che Über­zeu­­gung und Selbstgewißheit zu­rück­be­zogene Erkenntnis hat für Montaigne ei­nen ähnlich ho­hen Rang, wie ein halbes Jahr­hun­­dert später das von Descartes ge­such­te fun­damentum in­con­cus­sum, das sich nicht mehr bezweifeln lasse und das er in dem „Ich denke, al­so bin ich” fand. Wo Des­cartes aber bald wie­der nach einem alles absichernden Gottes­be­weis suchte, läßt Mon­­taig­ne religiöse Fra­ge­stel­lungen in libe­ral-­läs­si­ger Skep­sis weit­­hin auf sich beru­hen8 und beharrt auf der ei­ge­­nen Per­son, die  mit­samt ih­ren Idio-

------------------------------------------------------------------------------

7 Ernst Cassirer, Vorlesungen zur philosophischen An­thro­po­lo­gie (Ham­burg 2005), S. 144

8 „Ein anderer Himmelsstrich, andre Glaubensüberzeugungen, ähn­li­­che Ver­hei­ßungen und Drohungen könnten uns auf die­sel­be Weise einen ent­gegen­ge­setz­ten Glauben ein­pflanzen. Christen sind wir im glei­chen Sinne, wie wir Périgorden oder Deut­sche sind.” Mi­chel de Mon­taigne, Essais, in 3 Bänden hg. und über­setzt von Hans Stilett (Frankfurt/Main 2002); II 12 (= 2. Buch, Nr. 12), S. 176. Mon­­taig­nes Haupt­werk wurde 1676, fast ein Jahr­hun­dert nach der Publikation der ersten Bände, auf den In­dex li­bro­rum pro­hi­bi­to­rum gesetzt.

Zurück                                                           - 13 -
                              
Weiter
Top
http://www.fleig-fleig.de/