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RUTH FLEIGS GALERIE
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HORST FLEIGS TEXTE:
I  Philosophica
A ZUR ANTHROPOLOGIE
Sloterdijk-Habermas
Pico della Mirandola
Michel de Montaigne
J. G. Herder
Max Scheler
Helmuth Plessner
Rück- und Ausblick
B ERINNERUNGSBILDUNG
Schock der Rückkehr
Erinnerungsautomatik
Wuchernde Phantasie
Seel. Raumpositionen
Sprache und Erinnern
Besuch als Korrektiv
Identitätsfragen
Steuernde Phantasie
Über das Vergessen
Biogr. Stimmigkeit
Proust. Doppelgänger
Psychobiologisches
II  Reiseberichte
III Zu Wim Wenders
IV Film und Kindheit
V Mitschüler/Schulen
VI Germanistica

RÜCK- UND AUSBLICK

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13 an­stö­ßi­ger Thesen einer kirchenrechtlichen Untersuchung unter­zo­gen und nach Picos Widerspruch (Apo­lo­gia) 1487 in to­to indi­ziert. Erst nach Fürsprache des Renais­sance-Herr­schers Lorenzo de’ Me­di­ci gab ein neuer Papst sie wie­der frei. Die nie ge­haltene Oratio, die er als Er­öff­nungs­re­de des Kon­gres­ses verfaßte, er­schien erst 1496 im Druck, zwei Jahre nach Picos womög­lich ge­walt­sa­mem Tod.6

   Die Conclusiones dieses auch des Hebräi­schen und Ara­bi­schen Kundigen sollten dazu anstoßen, die vie­len kon­kur­rie­ren­den Denktraditionen wie die jüdisch-christ­liche Kab­ba­la und die is­la­mi­sche Phi­lo­so­phie ei­nes Avicenna, Aver­ro­ës oder Moses Mai­mo­ni­des auf ih­re geistige Konvergenz hin zu un­ter­su­chen. Ein Recht­fer­ti­gungs­ver­such, der auf dem Hin­ter­grund des neu­en Menschenbildes nicht als Ek­lek­ti­zis­mus ab­zu­tun ist, viel­mehr den einen menschlichen Geist, sofern er sich nur frei zu ar­ti­ku­lie­ren wußte, auch in seinen ent­le­gen­sten Denk­be­mü­hun­gen ernst zu nehmen such­te.

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Die weiteren Etappen der anthropologisch ent­wi­ckel­ten „Weltof­fen­heit”, die über Montaigne und Her­der zu Sch­eler und Pless­ner führten, zeigen keine geradlinige Ent­wick­lung. Der Zu­ge­winn an Ein­sich­ten ist eher sprung­­haft und wird im­mer wie­der zu­gun­sten anderer Leit­ka­te­go­rien zurück­ge­drängt und in man­chen As­pek­te über­haupt aufgegeben. Be­son­ders schwer zu ver­mit­teln war die Ein­sicht, daß der Mensch nicht gött­li­cher, son­dern tie­ri­scher Her­kunft ist. Der from­me Selbst­be­trug ei­ner Got­tes­eben­bild­lich­keit des Men­schen7 wurde schon relativ früh durchschaut (von Mon­-

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6 Zu dem Verdacht, daß sein Sekretär Cristoforo di Casale ihn ver­gif­tet haben könnte, vgl. Stephen Alan Farmer, Syn­cre­tism in the West: Pico’s 900 theses (1486). The evolution of tradi­tional re­li­gious and philosophical sys­tems (Tempe, Arizona, 1998), S. 177f.

7 Ein vorchristlicher Gedanke, den Ovid in seinen Me­ta­mor­pho­sen (I 76-86) so ausführt: „Aber noch fehlte bisher ein ed­le­res We­­sen, mit hohem|Geiste be­seelt, damit es die an­deren alle be­herr­­sche.” „Als Abbild der alles beherr­schen­den Göt­ter” wur­de der Mensch von Prometheus aus Erde geformt: „Während die an­dern Geschöpfe ge­beugt die Erde be­trach­ten,|Gab er ein auf­recht Antlitz dem Menschen und hieß ihn zum Himmel|Schauen und zu den Sternen empor die Bli­cke len­ken”. (Übers. von Thas­si­lo von Scheffer, Zü­rich 1998). Plato nahm den Mythos in einer an­de­ren Vari­ante auf, vgl. S. 19 zu Herder.

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