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Herr Dr. B. 1965 (*1925 †2002)

Quelle:  ‘Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums’ (Oberhausen 2005, S.26)



In Englisch unterrichtet uns in der Oberstufe Dr. B., ge­nannt „Funkturm” oder „Der Lange”. Den stäm­mi­gen Zwei-­Me­ter-Mann lerne ich schon in der Unterstufe oder zu Beginn der Mittelstufe kennen, als ich, wohl von der Schü­ler­bib­lio­thek her, um ei­ne Flur­ecke bie­gend geradewegs auf ihn zu­ren­ne und so­gleich der­art hef­tig „ei­ne ge­scheu­ert” be­kom­me, daß ich noch einige Me­ter weit auf dem Flur ent­lang­rut­sche.

Bei der Erwähnung des Spitznamens „Funkturm” zitierte mein Klassenkamerad X. 1995 spontan das mir wie­der er­in­nerl­i­che Sprüchlein: „Wenn der zuschlägt, ist Sen­der­aus­fall!” Stammt es nicht von mir, der ich mich noch an je­ne Be­geg­nung im Flur erinnert haben dürfte? Und sagte ich nicht, leicht doppelsinnig: „Wenn der hinhaut ... ? Wo­bei freilich ge­nau ge­nom­men nicht der ausfallender Sen­der, sondern der „Emp­fän­ger” ge­meint war. Im Hin­ter­grund meiner ver­rut­sch­ten Me­ta­pho­rik stand mein Vater, der Funk­ama­teur, der mir laufend „eine funk­te”.

 

Wie die anderen Lehrer der Ober- oder späten Mit­tel­stu­fe teilt B. zwar keine Schläge mehr aus, un­ter­streicht aber seine über­ge­wal­ti­ge physische Präsenz durch einen strengen Ernst und besonders durch sei­ne Ma­nier, sich mit aus­ein­an­der­ge­brei­te­ten Armen auf die Bank vor dem zu Examinierenden auf­zu­stüt­zen. Sei­ne Ge­­las­­sen­heit wirkt bemüht und wi­der­ruf­lich und wird, auch wenn er nie in Rage ge­rät, im­mer wie­der durch­bro­chen von gereizt klingenden ironischen Be­mer­kun­gen. Ruck­ar­tig ent­spannt gibt er sich gern nach vor­an­ge­­gan­­ge­nem Verhör und gelegentlich gegen Ende der Stun­­­de, um uns, dem Kol­lek­tiv, endlich wieder einmal sei­­ne Zu­frie­den­heit aussprechen zu können.


In der Sache ist er mit der beste Lehrer, den ich je hat­te und bringt mich vor allem in der In­ter­pre­ta­ti­on von Tex­ten weit voran. Während im Fran­­zö­­sisch­­un­ter­richt fast nur Aspekte des In­halts und Ge­halts be­han­delt werden und „Egon” uns in Deutsch außerdem noch die weithin lang­wei­len­den me­tri­schen Schemata oder Reimf­ormen na­he­zu­brin­gen sucht, macht uns B. auf un­schein­ba­re­re Struk­tur­ele­men­te und Kunstgriffe auf­­merk­­sam, auf Symbolik, Mehrdeutigkeit, 

 

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