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RUTH FLEIGS GALERIE
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HORST FLEIGS TEXTE:
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II  Reiseberichte
III Zu Wim Wenders
IV Film und Kindheit
V Mitschüler/Schulen
Alt-Walsum 1951-53
OB-Holten 1953-55
OB-Sterkrade 1955-65
VI Germanistisches

Treppenhaus unweit vom Musiksaal
Quelle: www.fvsg-ob.de/163.html


Zwei oder drei Jahre lang ist Studienassessor „HAMMER” unser Erd­kun­de­leh­­rer, ein schon ergrauter dicklicher und rotbäckiger Mann um die Mitte 30, der oft in einem rotbraunen Ledermantel er­scheint. Ein Stu­dienrat er­klärt uns ein­mal, daß „Kol­lege H.”, der wieder einmal gar nicht mit uns zu Rande kam, als Sol­dat in Sta­lin­grad(?) Schlim­mes durch­ge­macht habe. Von „Hammer” selbst er­fahren wir nur, daß sein Frontab­schnitt an dem Tag, als Hit­ler ihn be­suchte, „wie eine Eins” allen Angrif­fen stand­ge­­hal­­ten hätte.


Fast jeder von uns macht sich über ihn lustig, und einige Schül­er, zu denen ich gehöre, geben ihm dreiste Ant­wor­ten und erl­au­ben sich Dinge, die bei an­de­ren Lehrern undenkbar wären. So wer­fen wir ihm und sei­nem Au­to, das er mit einer lä­cher­li­chen Pla­ne zuzudecken pflegt, Schneebälle nach, wenn er im Schleich­tem­po nach Hause, das heißt zu­rück zu seiner Mutter fährt. Als er mit einem neuen Motorroller daherkommt, wird ihm bald hin­ter­her­ge­ru­fen: „Ist der Roller bezahlt?” (Melodie nach der be­kann­ten Erinnerung an die Rund­funk­ge­bühr). Im Un­ter­richt legt er sich immer wieder un­geschickt mit einzelnen Schülern an, blickt sie – auch mich – miß­trau­isch, feind­se­lig oder haßerfüllt an, trägt sie sodann ins Klassenbuch ein (einige meiner Zeug­nis­se ver­bu­chen je­weils mehrere „Tadel”) oder zückt sein No­tiz­büch­lein und verkündet genüßlich seine Ra­che­no­te. Ein sol­ches Ver­­hal­ten ken­ne ich ei­gentlich nur von anderen Kin­dern.

Zwei Klassenkameraden entsannen sich Jahrzehnte später noch ei­nes kleinen „sadi­stischen Tricks” dieses Päd­a­go­gen: Halb ver­steckt hielt er einen Rohrstock im Jackenärmel, den er dann, um einem Schü­ler einen Stoß zu ver­set­zen, rasch her­aus­fah­ren ließ. Mir däm­mert so etwas, doch habe ich es selbst wohl nie er­leiden müssen.



GESCHICHTE



Wer unterrichtet uns <seit der Quinta> hierin? Sind es nicht am ehe­sten un­sere wechselnden Deutschlehrer? Oder haben wir uns auch in diesem Fach jahrelang mit „Hammer” aus­ein­an­der­zusetzen? Aus der ersten Gym­na­si­al­zeit wollen mir weder Lehrer noch interessante Themen und Erörterungen einfallen, nur Fra­gen wie die nach einer Erbfolge in sche­menhaft bleibenden Ter­ri­to­ri­en wie „Bur­gund” oder nach der Aufteilung eines Rei­ches in­fol­ge ei­nes verlorenen größeren Krieges.


Als wir in der späten Mittelstufe dieselben Epochen ein zweites Mal durch­laufen, gewinne ich den Eindruck, daß hierbei nichts we­­sent­­lich ver­tieft wird.

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