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Frau W. alias MINNA (1957/58)
(*um 1909; legte 1929 an unserer Schule das Abitur ab)


Herr Dr. K. (1957/58)


Quelle für beide Photos: ‘Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums’ (Oberhausen 2005, S. 48)



BIOLOGIE


Hierin unterrichtet uns zunächst „Minna”, eine rund­­li­­che grau­haarige un­ver­heiratete Frau, die alt­mo­di­sche dunk­le Blu­sen und Klei­der trägt. Sie ist die ein­zi­ge Studienrätin an un­serem Gymnasium. Ihre Un­ter­richts­the­men und Haus­auf­ga­ben läh­men mich ge­ra­de­zu: An­dau­ernd sol­len wir irgendwelche Stempel, Pol­­len und Blüten­stände aus­wen­dig her­sa­gen oder zeichnen, mit­­un­­­ter auch Gräs­chen sam­meln und auf­kle­ben. Das al­­­les ist ja dermaßen lang­wei­lig!

 

Nach „Minna” oder abwechselnd mit ihr unterrichtet uns Dr. K., der, wie ich im Lauf der Zeit erfahre, ein „Re­gie­rung­s­rat” und be­kann­ter Nazi­funktionär gewe­sen sein soll. Das ruhige selbstbewußte Auftreten dieses ge­drun­ge­nen glatzköpfi­gen und in meiner Er­in­ne­rung braun­ge­­brann­ten<!> Mannes hat et­was Majestäti­sches, auch die Nüch­tern­heit, mit der er seine Ohr­feigen ver­teilt – beim Zahn­arzt­sohn Wolf­gang immer „mit schö­nem Gruß an den Va­ter”. Und ganz ge­las­sen erklärt er uns, daß jun­ge Soldaten selbst­ver­ständ­lich immer auch Hu­ren zu ihrer Ver­fü­gung ha­ben müß­ten. Das Fach Bio­lo­gie oder zu­mindest die Pflanzen­kunde scheint ihm nicht so am Her­zen zu lie­gen. Er hält sich jedenfalls öf­ter an die Zoologie, und so ist denn auch seine Person für mich undeutlich mit dem Lö­­wen aus ‚Schmeils Tier­kun­de’ assoziiert.


  *


Aus einem Jahrzehnte später an­gefertigten Bericht der Fach­schaft Biologie über das von MINNA und anderen hin­ter­las­se­ne Ar­beits­ma­te­rial:


Die im Sammlungsraum (4x3m) vorhandenen Ma­te­ria­lien (Ein­mach­­glä­ser und Co) stammen zum über­wie­gen­den Teil aus der Kü­che und be­glückten wahrscheinlich schon mehrere Schü­ler­ge­ne­ratio­nen ... Es exis­tierten im­mer­hin acht Lichtmikroskope mit Spie­gel­be­leuch­tung, ent­­spre­chen­de Ob­jektträger und Deck­gläs­chen. Etli­che Her­­ba­rien und Sammlun­gen von Zei­tungs­aus­schnit­ten und lo­sen Buch­sei­ten, so­wie ein einge­legter Bandwurm und Nie­ren­steine zeugten vom Fleiß und vom Samm­ler­trieb der an der Schule un­ter­rich­ten­den Kol­l­e­gen und be­son­ders einer Kollegin, die mit na­hezu männlicher Hand und einem gewissen Drang zur systemati­schen Bi­o­lo­gie so­wie na­turgegebe­ner Stren­ge in der Sammlung Ordnung ge­hal­ten hatte ... Glanz­stü­cke dieser Sammlung von Prä­pa­ra­ten wa­ren und sind heu­te noch ein Elefantenfuß, ein mensch­li­ches Skelett und das Pfer­de­bein." (Ulrike Kir­schall in: 'Festschrift zum 100-j­äh­ri­gen Ju­bi­lä­um des Frei­herr-vom-Stein-Gymnasiums', Oberhausen 2005, S. 103)


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