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Lampionkette hinter dem schmähenden Jimmy Ryan (25:18)

sowie (rechts) in der Szenerie des Manuskriptdiebstahls (14:27 und 14:54)



Neben den konkreten Schmuckperlen, die wie Sue Alabamas Perlohrringe und die schaukeln­den Ohrringe Cry­stals gewissermaßen als Dingsymbole mit­wir­ken, sind es vor allem un­scheinbare Motiv-Abwandlungen wie die des strah­len­den Lampenkopfes, des Schweinwerfers oder auch der Lampions. Nach dem Schuß­wech­sel in Chi­na­town, wo Ham­mett sich von einem Drachen-Umzug ein­kreisen und das Manuskript aus der Manteltasche ziehen läßt, blickt so die Ka­me­ra über etli­che an ei­ner Schnur hän­gen­de weiß­leuchtende Lampions vertikal auf die Szene hinunter (s. Stand­pho­to oben). Aus Chinatown zu­rück­ge­kom­men, wo er au­ßer dem Ma­nu­skript noch Jim­my Ry­an verlor, setzt sich Hammett wieder vor seine Maschine: Aus der anfänglichen Ha­fen­sze­ne taucht erneut das Bild der im Ha­fen­was­ser ver­steck­ten Per­len­schnur auf; woraufhin er sich erhebt und die zerknüllten Manuskriptseiten wieder aus dem Pa­pier­korb schüt­tet (s. Pho­to Sei­te 4). Sei­ne nach­fol­gen­den Phan­ta­sie­bil­der kreisen um Ryan, der Hammett vor ei­ni­gen hel­len ova­len Lampions vor­wirft, sei­ne Er­leb­nis­se in billigen Ma­ga­zi­nen zu verhökern (25:27). Zu diesem Zei­chen­sy­stem gehören noch die flo­ra­le 5-köp­fi­ge Wand­leuch­te bei Hage­dorn, der ro­te Lam­pi­on, unter dem Ham­mett von Fongs Leibwächter zu­sam­men­ge­schla­gen wird oder die dor­ti­ge hel­le Blü­ten­rei­he der Palm­kätz­chen hin­ter der jun­gen mit­leids­vol­len Chi­ne­sin (45:05).

   Diese und weitere Varianten wie die kreisförmig umringten Oktaeder-Muster von Hammetts Teppich oder die Oktaeder-Deckenverkleidung von Fongs Bü­ro mün­den in die große Kon­fe­renz­sze­ne im Krei­se der sechs Erpreßten und ihrer Helfershelfer Hagedorn, Fong und Polizeileutnant O’Mara. Hammetts Auftritt dort folgt ei­ner stren­gen Cho­re­o­gra­phie. Im Uhr­zei­ger­sinn geht er von dem einen zum nächsten der sechs und überreicht jeweils mit einer sarkastischen Be­mer­kung ein Pho­to, das den Be­schul­dig­ten etwa mit „Aschen­put­tel” oder „Schneewittchen” zeige. Schwungvoll durchläuft er zwei wei­te­re Runden in die­ser Kreis­rich­tung, während er den Her­gang des Gan­zen und die an­ony­me Ein­fluß­nahme die­­ser Männer auf die Stadt erläutert. Wendet er sich danach zur Mit­te hin, wird ge­schnit­ten: In einer über­ra­schen­den To­ta­len (s. Pho­to Sei­te 1) blickt man durch eine spinnennetzförmige oktogonale Glas­dach­kon­struk­tion sen­krecht auf die Versammlung hinunter. Die drun­ten da­sit­zen­den Biedermänner, durch de­ren Mit­te Ham­mett soeben über ei­ne ok­to­go­na­le Bo­den­plat­te mit acht sym­me­trisch ab­zwei­genden Strahlen schrei­tet, sind wie­de­rum wie zu ei­ner Ket­te ge­reiht (1:19:08-18).


Wie sich abzeichnet, nutzt die kryptische Argumentationsebene in diesem Film vor allem mikrostilistische Motive, für die man kaum je­mals Au­gen hat, zu­mal sie wie die Per­len- und Streifenmotive gut in die jeweilige Szenerie passen. Gleich­wohl wird da­durch auf Dauer die Wirklichkeitsebe­ne des por­no­gra­phi­schen Er­pres­sungs­falls weit­hin von Ham­metts Phantasietätigkeit assimiliert.

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