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04:16
26:10

ei­gent­lich jedem Film im nachhinein aufgestempelt wird, diesmal noch aus dem Film­in­nern her­vor­dringt, ge­setzt von Ham­metts „Un­derwood” (zum Abschluß seines neuen Kri­mis). Ein Ende, das eine literarisch-künstlerische Neugeburt sig­na­li­siert. Sei­ne Ne­ga­tiv­form ist das Ende für Wenders’ Parallelfilm ,Der Stand der Dinge’. Dessen Schluß­bild, das Er­star­ren des Bildf­lus­ses in Munros Super-8-Kamera, bezeichnet so­wohl das gebrochene Au­ge des er­schos­­senen Regisseurs als auch das En­de ei­nes be­stimmten, in die ei­ge­nen Bil­der ver­narrten Film­stils.5

 

Streifenmuster und Perlen

 

 

Nach dem Vorspiel um das perlmuttfarbene Gewässer setzt die Filmhandlung mit der In­sze­­nie­rung des schreibenden Ham­mett und seiner „Underwood” ein. Beherrschend wird bald das literarische Leitmotiv dieses Films, ein vielfältig ab­ge­wan­del­tes Strei­fen­muster aus Schatten- und Lichtzeilen. Sein Zentrum ist in den Anfangsszenen das abgedunkelte Ar­beits­zim­mer Ham­metts und darin wiederum seine Schreibmaschine und deren Textzeilen (mit dem weißem Zwischenraum des Durch­schus­ses):

   Die mit einer Aufblende eröffnete erste Einstellung zeigt den steilen Treppenaufgang ne­ben Hammetts Hausblock; seit­lich rechts an der Straße ein Geschäftsladen mit blau- weiß ge­streifter Markise und links vom Aufgang eine Laterne - und zwar ist die Ein­stellung so kad­riert, daß der helle perlenförmige Laternenkopf noch eben ins Bild paßt. Im Ge­gen­schuß von oben sind in die­ser schluchtartigen Gasse unter anderem Kinder bei einem Hüpf­spiel zu se­hen. Derweil war schon das Ge­tip­pe auf ei­ner Schreibmaschine zu ver­neh­men. Nach dem Schnitt fährt die Kamera hoch auf ein offenstehendes Fen­ster und er­faßt in ei­nem Schwenk einen Mann in einem hellblau gestreiften Hemd, der von hinten beim Tip­pen zu sehen ist; vor dem Fen­ster ihm ge­gen­über sind die Jalousien heruntergelassen, auf dem Schreibtisch steht rechts vor ihm eine Lampe mit der Skulp­tur ei­nes schwar­zen Fal­ken. Der Kamerablick fällt auf das eingespannte Papier: Soeben schreibt der Mann THE END un­ter ei­ner um 1926 spie­len­den „Ich”-Erzählung. Er wird nun von vorn gezeigt, es ist au­gen­schein­lich Hammett; müde lä­chelnd über­liest er den Schluß, steht auf, entspannt Rü­cken und Nacken, geht mit dem Manuskript vorbei an etlichen zer­knüll­ten Ma­nu­skript­sei­ten zu einem Schrank und schüttet sich Whisky ein. Er legt sich hin, trinkt und liest ein we­nig im Ma­nu­skript; legt sich dann, wie erschöpft aufseufzend, mit dem Rücken auf die durch die Jalousien wie gestreifte Liege.

 

Beim langsamen Abblenden der zuletzt fast vertikal über Hammett postierten Kamera ent­wi­­ckelt sich in einer Überblendung die Tastatur einer Schreibmaschine, die zusammen mit ei­nem tippenden Händepaar von unten her gezeigt wird, bis daraus in einer weiteren Über­blen­­dung allmählich die Hafenszenerie ersteht und zugleich im Off der Schluß des Ma­nu­skript­textes ver­le­sen wird. Dicke Nebelschwaden ziehen über das bald perl­mutt­far­be­ne Gewässer, in dem sich Lichter widerspiegeln. Von die­sem An­blick mit einem do­mi­nie­ren­den Lam­pen­licht im unteren Bildbereich wird plötzlich zu dem wie kor­res­pon­die­ren­den, ab­ge­senk­ten run­den Suchscheinwerfer eines Autos geschnitten, der sogleich hoch- und zur Se­ite hin­weg auf ein Ha­fen­schild mit der Auf­schrift „WEST POST” geschwenkt wird. Der nach­fol­gen­de Schnitt zeigt Jimmy Ryan und Su­san Ala­ba­ma, die ne­ben­ein­an­der im Auto sit­zen und auf den Erpresser mit der geraubten Perlenkette warten.

   Mehrmals wurde unterdessen von diese Hafenszene zurückgeschnitten auf Hammetts „Un­­der­wood”, deren runde Ta­sten­knöp­fe sich ein­mal in gesuchter Unschärfe gleißend an­ein­an­­der­reihten (04:16). Über dieses Perlen(ketten)motiv wer­den nun im Lau­fe des Films etl­iche szenische Details miteinander verknüpft.


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